Darf mein Kind Sonntags Bobby Car fahren?

Polternde Kindergruppen direkt vor der eigenen Haustüre: Neben einfachen Spielen geht es manchmal sehr rabiat zur Sache.

Der Geräuschpegel von Kindern, die jauchzend mit dem Bobby-Car eine Straße hinabfahren, kann durchaus beachtliche Maße annehmen.

Nicht jeder steht dem Treiben in unmittelbarer Nähe aufgeschlossen gegenüber und vor allem sonntags fühlt sich mancher Anwohner in seiner Ruhe gestört.

Der Spieltrieb wird vom Gesetzgeber ausdrücklich unterstützt

Nur durch intensives Spielen und Erkunden der Umwelt befriedigen Kinder ihren großen Erfahrungsdurst. Doch was sagt eigentlich der Gesetzgeber zu dieser Situation? Fest geregelt sind die offiziellen Ruhezeiten.Hier müssen Erziehungsberechtigte die Zügel straff anlegen und ihren Nachwuchs zur Mäßigung anhalten.In der Mittagszeit von 12 bis 15 Uhr und zum Einbruch der Nacht ab 22 Uhr bis zur frühen Morgenstunde um 6 bis 7 Uhr müssen die Kleinen ihre Beine möglichst still halten. Natürlich gilt dies nur in dem Fall, wenn Mitbewohner, etwa in einem Mehrfamilienhaus oder Wohnblock, sich durch die rege Aktivität gestört fühlen. Ein absolutes Spielverbot herrscht nicht, nur die Geräuschkulisse darf keine störenden Ausmaße erreichen.Kleinkinder dürfen sogar zur Mittagszeit ausgelassen Spielen, der Gesetzgeber gibt hier zugunsten der Entwicklung von Körper und Geist eindringlich Vorrang. Anwohner haben dies zu akzeptieren – auch an Sonntagen. Je nach Alter und Entwicklungsstand ändert sich dieser Sachverhalt. Jugendliche haben sich beispielsweise an die festgelegten Zeiten zu halten. Einige Bundesländer verzichten auf die Mittagsruhezeiten komplett und überlassen Gemeinden hierfür einen individuellen Gestaltungsraum. Auch spezielle Klauseln der Hausordnung bei Wohngemeinschaften üben hierauf einen Einfluss aus.

Zankapfel Geräuschpegel ist Auslegungssache

Warum gibt es dann bei so scheinbar eindeutigen Regeln häufig gerichtliche Auseinandersetzungen bezüglich dieses Themas? Die Definition von unzumutbarem Lärm und normalem Spiel unterliegt einer äußerst subjektiven Bewertung. Nächtliche Schreie eines Kleinkindes oder Babys sind nichts Ungewöhnliches und gehören zum Entwicklungszyklus eines jeden Kindes. Das mag zwar auf manche störend wirken, bleibt aber quasi durch die Natur vorgegeben und ist damit kein Verstoß gegen das Gesetz. Was tatsächlich als unerträgliche Belästigung gelten kann, wird von den zuständigen Richtern entschieden. Fallen diese jedoch in den Bereich außerhalb der Ruhezeiten, müsste schon eine ungewöhnliche Intensität dahinterstecken, die weit über das normale Austoben hinausgeht. Eine besondere Situation stellt offenbar die dunkle Jahreszeit dar, wo die Dämmerung bereits kurz nach Ablauf der Mittagsruhe einsetzt. Angesichts dieser Umstände sah die Rechtsprechung in Urteilen eine „unbillige Einschränkung“ gegeben, die das Verbot erneut zugunsten von spielendem Nachwuchs aufweicht. Prinzipiell bleibt aber immer zu raten, Rücksicht auf seine Mitmenschen zu nehmen. Oft lässt sich durch Absprachen, Einfühlungsvermögen und gemeinsam mit einer respektvollen Diskussionskultur einem aufziehenden Konflikt Wind aus den Segeln nehmen. Schließlich sollte die Lehrstunde, die Bedürfnisse andere Menschen nicht vollkommen zu ignorieren, ebenfalls ein wünschenswerter Schritt im Prozess des Erwachsenwerdens darstellen.

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